Im Winter verbraucht der Organismus des Pferdes mehr Energie, um die Körpertemperatur konstant zu halten. Das gilt besonders für Pferde, die draußen in Offenstallhaltung stehen und Kälte, Wind und Niederschlag ausgesetzt sind. Ihr Energiebedarf kann um 10–25 % steigen. Reagieren wir nicht rechtzeitig, kann das Pferd Körpermasse verlieren und damit auch Abwehrkraft und Kondition.
Der wichtigste Bestandteil der Winterration ist Heu. Durch die Fermentation der Rohfaser im Dickdarm erzeugt das Pferd die meiste Wärme. Heu guter Qualität, in ausreichender Menge gefüttert, ist deshalb die Grundlage des winterlichen Speiseplans. Am besten hat das Pferd ständig Zugang dazu. Bei älteren Pferden oder solchen mit Zahnproblemen lohnt es sich, zu Alternativen zu greifen wie Graspellets, Luzernehäcksel, melassefreien Zuckerrübenschnitzeln oder warmem Mash, die sich deutlich leichter aufnehmen und verdauen lassen.
Bei manchen Pferden lohnt es sich auch, die Kraftfuttermenge zu erhöhen. Das gilt vor allem für Pferde, die ständig im Freien leben. Winterliches Kraftfutter sollte Energie langsam und gleichmäßig liefern, deshalb eignen sich getreidefreie oder stärkearme Produkte, die reich an hochwertiger Rohfaser, Eiweiß und Fett sind. Leinöl oder Maisöl, Reiskleie, Sonnenblumenschalen oder Zuckerrübenschnitzel sind eine sinnvolle Ergänzung der Ration. Diese Komponenten geben dem Pferd zusätzliche Energie, ohne den Verdauungstrakt zu belasten.
Im Winter vergessen wir oft die Rolle von Vitaminen und Spurenelementen, die das Pferd dann weniger erhält, schon allein weil kein Gras zur Verfügung steht. Ein Mangel an Zink, Selen oder Vitamin D ist verbreitet und kann Immunsystem, Fell und die allgemeine Vitalität beeinträchtigen. Deshalb sollte die Winterration mit Ergänzungen angereichert werden, die Abwehrkräfte und Hautgesundheit unterstützen. Futterhefe bewährt sich sehr gut: Sie verbessert die Verdauung und unterstützt die Darmflora. Leinsamen wirkt dagegen schützend auf den Verdauungstrakt und liefert wertvolle Omega-3-Fettsäuren, und Brennnessel kann das Immunsystem auf natürliche Weise unterstützen. Auch an Biotin, schwefelhaltige Aminosäuren und natürliche Vitamin-C-Quellen wie Hagebutte oder Aronia sollte man denken.
Wasser ist im Winter nicht weniger wichtig als das Futter. Niedrige Temperaturen nehmen Pferden die Lust zu trinken, und gefrierendes Wasser in den Tränken schränkt die Verfügbarkeit zusätzlich ein. Dabei ist Dehydrierung im Winter ein häufiges, aber leicht übersehenes Problem. Das Pferd sollte Zugang zu frischem, nicht zu kaltem Wasser haben. Sinnvoll ist es, das Wasser leicht angewärmt anzubieten oder mit einer kleinen Menge Futtersalz, das den Durst anregt.
Zusammengefasst bedeutet die Vorbereitung des Pferdes auf den Winter, seine physiologischen Bedürfnisse bewusst zu berücksichtigen, denn sie ändern sich mit Wetter und Haltungsform. Mit einer ausgewogenen Ration, reich an hochwertiger Rohfaser, Fett, Spurenelementen und Vitaminen, können wir unserem Pferd helfen, gut durch den Winter zu kommen!