Einer der häufigsten Gründe ist die Unterschätzung der aufgenommenen Menge an Ballaststoffen. Heu und Gras gelten oft als sichere Grundlage für die Ernährung, sind aber die Hauptenergiequelle. Heu von guter Qualität kann erhebliche Mengen an Kalorien liefern, insbesondere wenn es viel Zucker und leicht verdauliche Ballaststoffe enthält. Noch wichtiger ist der Zugang zu Weideland. Junges Gras kann sehr kalorienhaltig sein und daher kann das Pferd mehr Energie absorbieren als die Menge des Kraftfutters, das ihm verabreicht wird.
Ein weiterer wichtiger Faktor ist der individuelle Stoffwechsel des Pferdes. Einige Pferde, insbesondere primitive Rassen (Ponys, Zugpferde), haben eine natürliche Tendenz, die Energie aus dem Futter effizient zu nutzen. Dies bedeutet, dass bereits geringe Nahrungsdosen zur Ablagerung von Fettgewebe führen können. In solchen Situationen funktionieren Standardfütterungspläne oft nicht und die Dosierung muss sehr genau auf die jeweilige Pferderasse abgestimmt sein.
Stoffwechselstörungen spielen ebenfalls eine wichtige Rolle. Krankheiten wie die Insulinresistenz oder das metabolische Syndrom des Pferdes führen dazu, dass der Körper Energie anders nutzt, was die Fettablagerung auch bei begrenzter Futterversorgung fördert. In solchen Fällen ist die Gewichtskontrolle besonders schwierig und erfordert neben einer ausgewogenen Ernährung oft auch die Rücksprache mit einem Tierarzt und eine regelmäßige Gesundheitsüberwachung.
Die Rolle des Ausmaßes der körperlichen Aktivität kann ebenfalls nicht ignoriert werden. Ein Pferd, das unregelmäßig oder leicht arbeitet, hat einen viel geringeren Energiebedarf als ein Pferd im Training. Es kommt häufig vor, dass die Futtermenge bei abnehmender Arbeitsintensität nicht reduziert wird, was zu einem Energieüberschuss und einer allmählichen Gewichtszunahme führt. Selbst ein kleiner Unterschied zwischen Angebot und Nachfrage, der über einen längeren Zeitraum aufrechterhalten wird, kann zu einer erheblichen Gewichtszunahme führen.
Darüber hinaus lohnt es sich, auf versteckte Energiequellen in der Ernährung zu achten. Sie werden bei der Beurteilung der Nährstoffdosis oft nicht berücksichtigt. Zusatzstoffe wie Leckereien, Karotten, Äpfel oder verschiedene Fleischsorten können die tägliche Kalorienaufnahme deutlich steigern, insbesondere wenn sie regelmäßig und in größeren Mengen serviert werden.
💡Unterhaltsame Tatsache: Übergewichtige Pferde können Fett nicht nur unter der Haut, sondern auch um innere Organe herum speichern, was das Risiko schwerwiegender Gesundheitsprobleme wie Hufrehe erhöht.
Um es zusammenzufassen: Eine Gewichtszunahme trotz einer geringen Futtermenge ist meist das Ergebnis überschüssiger Energie, die aus verschiedenen, nicht offensichtlichen Quellen stammen kann. Es ist wichtig, die gesamte Ernährung des Pferdes sorgfältig zu analysieren und dabei seine Leistungsfähigkeit, seinen Stoffwechsel und mögliche Gesundheitsprobleme zu berücksichtigen. Eine bewusste Ernährung und eine regelmäßige Zustandsbeurteilung sind die Grundlage dafür, dass Ihr Pferd fit bleibt!