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Warum frisst mein Pferd das Futter nicht auf?

Warum frisst mein Pferd das Futter nicht auf?

Wie ein Pferd frisst, gehört zu den deutlichsten Zeichen für Gesundheit und Wohlbefinden. Jede Veränderung des Appetits, besonders wenn das Pferd seine Portion nicht mehr auffrisst oder nur darin herumstochert, sollte Aufmerksamkeit wecken. Die Ursachen können vielfältig sein, von etwas Harmlosem bis zu einem ernsthaften Gesundheitsproblem, deshalb sollte man sie niemals abtun.

Einer der häufigsten Gründe, warum ein Pferd sein Futter nicht auffrisst, ist eine nachlassende Schmackhaftigkeit. Pferde reagieren sehr empfindlich auf Geruch und Geschmack, deshalb kann eine Änderung von Zusammensetzung, Geruch oder Frische dazu führen, dass sie nicht mehr gern fressen. Zu lange gelagertes Futter, Feuchtigkeit, Schimmel oder Staub nehmen die Lust am Fressen wirksam. Besonders zu beachten sind geölte Futtermittel und solche mit höherem Fettgehalt. Sie werden leichter ranzig, vor allem bei falscher Lagerung, und entwickeln dann einen unangenehmen Geruch und Geschmack, der Pferde vom Fressen abhält. Jede Futterumstellung sollte außerdem schrittweise erfolgen, weil Pferde Zeit brauchen, um neues Futter anzunehmen.

Der nächste wichtige Faktor sind Gesundheitsprobleme, besonders an Verdauungstrakt und Maul. Schmerzen beim Kauen, Magengeschwüre, Kolik oder andere Verdauungsbeschwerden zeigen sich oft als nachlassender Appetit. Das Pferd geht vielleicht zum Futter, hört aber nach einem Moment auf oder lässt einen Teil liegen. In diesen Fällen ist fehlender Appetit ein Warnzeichen, das einen Tierarzt braucht.

Auch der Einfluss von Stress und Umgebung darf nicht fehlen. Stallwechsel, ein neues Pferd in der Herde, Transport, Turnier oder selbst eine Änderung der Tagesroutine können das Verhalten beim Fressen beeinflussen. Ein gestresstes Tier frisst oft weniger oder unregelmäßig, was mit der Zeit Konditionsverlust und Gesundheitsprobleme nach sich ziehen kann. Auch die Art der Futtervorlage spielt eine Rolle. Pferde, die in Eile fressen oder neben dominanten Tieren stehen, fressen ihre Portion möglicherweise nicht auf. Eine zu große Kraftfuttermenge auf einmal kann unattraktiv sein oder Unbehagen verursachen. Es lohnt sich zu prüfen, ob das Pferd in Ruhe fressen kann und ob die Ration zu seinen Bedürfnissen passt.

Manchmal ist die Ursache jedoch viel einfacher. Das Pferd kann schlicht überfüttert sein oder einen zu niedrigen Energiebedarf für die gegebene Futtermenge haben. Das gilt besonders für Pferde in leichter Arbeit oder solche, deren Aktivität reduziert wurde. Dann sollte man die Ration analysieren und an das aktuelle Arbeitspensum anpassen.

💡INTERESSANT: Eines der ersten Zeichen entstehender Magengeschwüre beim Pferd kann genau die Unlust sein, das Kraftfutter aufzufressen, obwohl der Appetit auf Heu erhalten bleibt.

Zusammengefasst ist fehlende Lust, das Futter aufzufressen, ein Zeichen, das man nicht ignorieren sollte. Es kann an der Qualität des Futters selbst liegen, an Fütterungsfehlern, an Gesundheitsproblemen oder an Stress. Das Pferd zu beobachten, seine Ration zu analysieren und auf beunruhigende Zeichen schnell zu reagieren, ist der Schlüssel zu Gesundheit und guter Kondition. Selbst das beste Futter erfüllt seine Aufgabe nicht, wenn das Pferd es nicht fressen will!

Anna Porożyńska

Anmerkungen:

Cooper, Jonathan J., and Melissa J. Albentosa. “Behavioural adaptation in the domestic horse: potential role of apparently abnormal responses including stereotypic behaviour.” Livestock Production Science 92.2 (2005): 177-182.
Frape, David. Equine nutrition and feeding. John Wiley & Sons, 2010.
Hothersall, Bridget, and Christine Nicol. “Role of Diet and Feeding in Normal and Stereotypic Behaviours in Horses.” Veterinary Clinics of North America: Equine Practice, vol. 25, no. 1, 2009, pp. 167–181.
Ralston, Sarah L. “Nutritional Management of Behaviour Problems in Horses.” Journal of Animal Science, vol. 81, suppl_2, 2003, pp. E14–E18.
Staszyk, C., A. Suske, and A. Pöschke. “Equine dental and periodontal anatomy: A tutorial review.” Equine Veterinary Education 27.9 (2015): 474-481.
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