Während des Trainings steigt die Körpertemperatur des Pferdes sehr schnell, und dieser Vorgang läuft deutlich intensiver ab als beim Menschen. Das Pferd beginnt früher und stärker zu schwitzen, was das Risiko der Dehydrierung erhöht. Nach der Arbeit ist das Durstgefühl außerdem oft vermindert, weil eine niedrigere Elektrolytkonzentration im Blut die Mechanismen schwächt, die die Wasseraufnahme steuern.
Das Risiko der Dehydrierung steigt deutlich mit der Umgebungstemperatur, beim Transport, auf Turnieren oder in Stresssituationen. Besondere Aufmerksamkeit brauchen tragende und säugende Stuten sowie junge Pferde, die anfälliger für Störungen des Wasser- und Elektrolythaushalts sind. Eine einfache Möglichkeit, die Hydratation zu beurteilen, ist die Elastizität der Haut. Je länger eine Hautfalte braucht, um in die Ausgangslage zurückzukehren, desto größer ist das Risiko der Dehydrierung. Weitere Zeichen können Energiemangel, verminderter Appetit, trockener Kot, eingesunkene Augen und Muskelkrämpfe sein.
Aus Sicht der Fütterung spielt die richtige Menge an Nahrungsfaser eine zentrale Rolle in der Vorbeugung der Dehydrierung. Der Dickdarm des Pferdes dient als natürlicher Wasserspeicher, funktioniert aber nur bei ständigem Zugang zu Raufutter, vor allem Heu. Zu viel Stärke aus dem Kraftfutter kann die Nutzung von Wasser im Verdauungstrakt stören, weil liegenbleibende Stärke die Flüssigkeitsaufnahme im Dickdarm begrenzt. Im Sommer sollte man deshalb stärkereiches Futter reduzieren und die Ration mit Häcksel, Pflanzenölen oder rohfaserreichen Grascobs ergänzen.
Dehydrierung bedeutet nicht nur Wasserverlust, sondern auch den Verlust von Elektrolyten wie Natrium, Chlorid, Kalium und Magnesium, die das Pferd mit dem Schweiß ausscheidet. Ein ständiger Salzleckstein ist wichtig, reicht aber oft nicht, weil viele Pferde aufhören, ihn zu nutzen, sobald der salzige Geschmack sie sättigt. Die sicherste und wirksamste Lösung sind fertige Elektrolytmischungen mit allen nötigen Mineralstoffen und Zusätzen, die die Aufnahme unterstützen, zum Beispiel Dextrose. Elektrolyte gibt man am besten nach der Arbeit, wenn die Lebensfunktionen wieder normal sind. Wegen des salzigen Geschmacks werden sie oft lieber als Mash aufgenommen, was zusätzlich die Flüssigkeitsmenge in der Ration erhöht.
Zusammengefasst sollte der Schutz vor Dehydrierung Teil der täglichen, bewussten Pflege sein und nicht nur eine Reaktion auf intensives Training oder hohe Temperaturen. Eine ausgewogene Ration auf Basis rohfaserreichen Futters, ständiger Zugang zu frischem Wasser und regelmäßiges Ergänzen der Elektrolyte unterstützen eine gesunde Hydratation und damit Gesundheit und Leistungsfähigkeit Ihres Pferdes. Und ganz wichtig: Wasser und Elektrolyte lassen sich nicht auf Vorrat auffüllen!