1. Zu wenig Raufutter
Die Grundlage jeder Pferderation ist Raufutter, vor allem Heu. Ein Pferd sollte täglich mindestens 1,5–2 % seines Körpergewichts an Raufutter-Trockenmasse erhalten. In der Praxis bedeutet das, dass ein Pferd mit 500 kg mindestens 7,5–10 kg Heu am Tag fressen sollte. Zu wenig Heu oder Pausen ohne Zugang dazu führen zu überschüssiger Magensäure, Magengeschwüren und Verhaltensstörungen.
2. Zu große Kraftfutterportionen auf einmal
Der Verdauungstrakt des Pferdes ist nicht darauf ausgelegt, große Stärkemengen in einer Mahlzeit aufzunehmen. Reichliche Kraftfutterportionen, besonders Getreide, erhöhen das Risiko für Kolik, gestörte Darmfermentation und Hufrehe. Kraftfutter sollte auf mehrere kleinere Mahlzeiten am Tag verteilt und immer an die tatsächliche Arbeitsleistung angepasst werden.
3. Füttern „nach Gefühl“, ohne die Ration zu analysieren
Einer der häufigsten Fehler ist eine nicht richtig ausgeglichene Ration. Viele Besitzer wählen ein Futter, „weil es bei einem anderen Pferd gepasst hat“, oder richten sich nur nach der Zusammensetzung auf dem Etikett, ohne Arbeitspensum oder Gesundheitszustand zu berücksichtigen. Selbst das beste Futter wirkt nicht richtig, wenn die Ration insgesamt nicht bei Energie, Eiweiß, Mineralstoffen und Vitaminen stimmt. Besonders häufig sind Mängel an Kupfer, Zink und Selen oder ein falsches Verhältnis von Calcium zu Phosphor.
4. Zu viele Ergänzungen
Ergänzungsfuttermittel werden manchmal als „Versicherung“ gesehen – je mehr, desto besser. Das ist ein Fehler. Mehrere Präparate gleichzeitig können sichere Mengen an Spurenelementen überschreiten, besonders bei Eisen, Selen oder den fettlöslichen Vitaminen. Statt die Kondition zu verbessern, kann das Leber und Nieren belasten. Ergänzungen sollten sich an den wirklichen Bedürfnissen Ihres Pferdes orientieren und das richtige Verhältnis der Spurenelemente einhalten.
5. Plötzliche Futterumstellungen
Jede Umstellung von Futter oder Fütterungssystem sollte schrittweise erfolgen, am besten über 7–14 Tage. Plötzliche Wechsel stören die Darmflora und gehören zu den häufigsten Ursachen von Kolik und Durchfall. Das gilt auch für scheinbar „harmlose“ Änderungen, etwa frisches Gras im Frühjahr.
Zusammengefasst entstehen die meisten Fütterungsfehler nicht aus mangelnder Fürsorge, sondern aus übernommenen Schemata und fehlender individueller Betrachtung. Wenn Sie unsicher sind, lohnt die Beratung durch eine Fachperson für Pferdeernährung oder einen Tierarzt. Eine gut ausgeglichene Ration ist eine Investition in Gesundheit, Form und ein langes Leben Ihres Pferdes!