Beginnen wir bei den Grundlagen: Was genau ist das Darmmikrobiom? Es sind Milliarden von Mikroorganismen, vor allem Bakterien, die den Darm des Pferdes besiedeln. Sie bauen die Rohfaser aus dem Raufutter ab, bilden Vitamine der B-Gruppe und Vitamin K und produzieren die flüchtigen Fettsäuren, die dem Pferd als Energiequelle dienen. Die Rolle des Mikrobioms endet jedoch nicht bei der Verdauung. Der Darm ist das größte Immunorgan des Pferdes. Dort formt sich die Abwehr, und das Mikrobiom ist ein zentraler Teil davon.
Warum sind Störungen des Mikrobioms also so gefährlich? Eine Dysbiose, also ein Ungleichgewicht der Darmflora, führt zu vielen gesundheitlichen Problemen. Angefangen bei Koliken und Durchfall, über Magengeschwüre, bis hin zu einer schwächeren Abwehr, chronischen Entzündungen und einer schlechteren Qualität von Hufen und Fell. Das Mikrobiom beeinflusst sogar das Verhalten des Pferdes, weil im Darm Botenstoffe gebildet werden, die Stimmung und Stressniveau steuern.
Was stört das Darmmikrobiom beim Pferd? Vor allem Fütterungsfehler, etwa zu viel Getreide in der Ration, plötzliche Futterwechsel, minderwertiges Futter mit Schimmel oder Mykotoxinen und ein begrenzter Zugang zu Raufutter. Auch Transportstress, Turniere, Antibiotikagaben und Entwurmung beeinflussen das Gleichgewicht der Mikroflora.
Wie unterstützt man also das Darmmikrobiom des Pferdes im Alltag?
✅ Die Grundlage ist ständiger Zugang zu Raufutter, am besten zu Heu guter Qualität. Das Pferd braucht einen stetigen Zustrom von Rohfaser, um das Gleichgewicht der Darmbakterien zu halten.
✅ Begrenze den Getreideanteil in der Ration. Braucht das Pferd zusätzliche Energie, kommen rohfaserreiche Futtermittel, Pflanzenöle oder Zuckerrübenschnitzel ohne Melasse infrage.
✅ Vermeide plötzliche Futterumstellungen. Jedes neue Futter über etwa 7–10 Tage langsam einführen.
✅ Erwäge den Einsatz von Probiotika und Präbiotika, besonders in Zeiten von Stress oder Krankheit oder nach einer Antibiotikagabe.
✅ Sorge für tägliche Bewegung und begrenze Stress: Beides verbessert die Darmperistaltik und die Funktion der Mikrobiota.
✅ Entwurme regelmäßig auf der Grundlage von Kotuntersuchungen, denn Parasitenbefall wirkt sich negativ auf das Mikrobiom aus.
Zusammengefasst: Wenn dir wichtig ist, dass dein Pferd eine starke Abwehr hat, viel Energie für die Arbeit und gesunde Hufe, kümmere dich zuerst um seinen Darm. Die Darmflora ist das Fundament der Gesundheit, und ob sie richtig funktioniert, hängt vor allem von der passenden Fütterung und von möglichst wenig Stress ab. Bei Problemen mit dem Verdauungsapparat lohnt es sich immer, die Ration mit einem Pferdeernährungsberater zu besprechen und die probiotische Ergänzung mit dem Tierarzt abzustimmen. Denk daran: Ein gesundes Mikrobiom bedeutet ein gesundes Pferd!