Die grundlegenden routinemäßigen Blutuntersuchungen sind Blutbild und Blutchemie. Tierärzte können außerdem den Spiegel mancher Mineralstoffe, nämlich Kupfer, Zink und Selen, sowie der Vitamine B, D und E mit hoher Genauigkeit messen. Den Spiegel von Kalzium, Phosphor, Magnesium oder Vitamin A zu bestimmen ist dagegen nicht möglich, weil diese bei Bedarf aus den Körperreserven des Pferdes ins Blut abgegeben werden, genauer aus Leber und Knochen. Deshalb kann ein Blutbefund normal aussehen, auch wenn beim Pferd ein Mangel an den genannten Nährstoffen besteht. Werte außerhalb des Referenzbereichs sind oft durch eine zu reiche oder zu knappe Ration oder sogar durch Stress verursacht.
Wie oft sollte man Blut untersuchen lassen? Wenn du ein gesundes Pferd hast, führt man Blutbild und Blutchemie zusammen mit den zusätzlichen Mineralstoffen und Vitaminen am besten regelmäßig einmal im Jahr durch. Hat dein Pferd dagegen gesundheitliche Probleme, ist älter oder starker Arbeit ausgesetzt, lohnt es sich, eine solche Untersuchung häufiger zu machen und immer bei Bedarf, zum Beispiel nach dem Einführen eines Medikaments oder einer Ergänzung, um zu prüfen, ob die Änderungen wirken. In dieser Situation kann man nur die Werte erneut bestimmen, die uns interessieren.
Für verlässliche Ergebnisse muss die passende Blutmenge von einem Tierarzt in ein steriles Röhrchen abgenommen werden. Am besten geschieht das morgens, und das Pferd sollte nüchtern und entspannt sein, weil Stress und Belastung die Blutwerte deutlich beeinflussen. Zum Vergleich der Ergebnisse ist wichtig, dass dies zu einer ähnlichen Uhrzeit und unter ähnlichen Bedingungen geschieht. Was die Jahreszeit angeht, lohnt sich die Untersuchung vor dem Wechsel zum Sommer- oder Winterfell, damit der Organismus bei Mängeln auf die zusätzliche Belastung vorbereitet werden kann.
Was genau sind Blutbild und Blutchemie? Das Blutbild erfasst mengenmäßig rote und weiße Blutkörperchen sowie Blutplättchen. Niedrige Werte der roten Blutkörperchen können zum Beispiel auf eine Anämie hinweisen, zu hohe auf Austrocknung. Die Blutchemie zeigt dagegen die Spiegel verschiedener Eiweiße, Enzyme, Elektrolyte und anderer biochemischer Stoffe. Zu hohe Harnstoffwerte können zum Beispiel auf eine zu eiweißreiche Ration hinweisen. Enzyme, auf die man in der Blutchemie achten sollte, sind die Leberenzyme, also AST, ALP und GGT. Erhöhte Werte deuten am häufigsten auf eine Leberschädigung hin, können aber auch auf eine Vergiftung, einen Wurmbefall oder eine ungeeignete Ration hinweisen.
Die Interpretation von Blutbefunden ist nicht einfach und verlangt umfangreiches Fachwissen, deshalb sollte man das nicht auf eigene Faust tun. Ebenso sollten wir den Ausgleich von Vitamin- und Mineralstoffmängeln mit einem Fachmenschen für Pferdeernährung besprechen, denn wahlloses Ergänzen kann noch größere Mängel und Ungleichgewichte verursachen. Das Verhältnis von Kalzium zu Phosphor (Ca:P) in der Ration erwachsener Pferde sollte zum Beispiel zwischen 1:1 und 3:1 liegen, weil ein Phosphorüberschuss nicht nur die Aufnahme von Kalzium beeinträchtigt, sondern auch die von Kupfer, Eisen, Magnesium und Zink. Außerdem lohnt ein Blick darauf, ob das fertige Kraftfutter zum Alter, zum physiologischen Zustand und zur Aktivität des vierbeinigen Schützlings passt und seinen Bedarf an Vitaminen und Mineralstoffen deckt.