Gewöhne das Pferd zuerst allmählich an Gras. Nach dem Winter, in dem es vor allem mit Heu gefüttert wurde, braucht sein Verdauungssystem Zeit, um sich an frisches, saftiges Gras anzupassen. Ein plötzlicher Weidegang auf üppiger Weide ist ein direkter Weg zur Hufrehe, besonders bei Robustrassen, Ponys, Haflingern und Pferden mit Insulinresistenz oder metabolischem Syndrom (EMS). Die Übergangszeit sollte mindestens 2–3 Wochen dauern, beginnend mit einer kurzen Zeit am Tag (30–60 Minuten) und mit allmählich längerer Weidezeit. In dieser Phase lohnt es sich, das Pferd auf Blähungen, vermehrtes Schwitzen oder schmerzende Hufe zu beobachten.
Zum Fütterungsrat: Lass das Pferd nicht mit leerem Magen auf die Weide! Gib ihm vor dem Grasen eine Portion Heu, das die nötige Rohfaser liefert und hilft, das Vollfressen mit frischem Gras zu vermeiden. Sinnvoll ist auch, Eiweiß und Stärke in der Ration zu senken, indem du das Kraftfutter reduzierst und Luzernehäcksel durch Grashäcksel ersetzt, um das Risiko von Frühjahrskoliken, Blähungen oder Hufrehe zu begrenzen. Drittens setze vor dem ersten Weidegang Präbiotika ein und entwurme das Pferd. Vorbeugend kannst du Kräuter geben, die die Verdauung fördern und den Verdauungstrakt schützen, etwa Kamille, Ringelblume, Spitzwegerich oder Fenchel.
Die Uhrzeit des Weidegangs ist wichtig… Am meisten Zucker enthält das Gras morgens nach kalten Nächten, deshalb sind die sichersten Zeiten früher Nachmittag und Abend, wenn der Fruktangehalt am niedrigsten ist. Zu viele Fruktane können Hufrehe auslösen, besonders bei Pferden mit Neigung zum Übergewicht. Achte auch auf die Pflanzen der Weide. Giftpflanzen wie Hahnenfuß, Gefleckter Schierling, Eisenhut und manche Distelarten sind eine ernste Gefahr für Pferde.
Regelmäßige Kontrolle der Weide und ihre Pflege sind entscheidend. Am besten meidet man das Grasen auf sandigen, kargen Flächen, wo das Risiko einer Sandeinlagerung im Darm hoch ist. Das gilt auch für Weiden, die bis auf den blanken Boden abgefressen sind, denn kurzes Gras enthält deutlich mehr Zucker, und das erhöht das Hufrehe-Risiko. Eine gute Lösung ist die Umtriebsweide: Durch den Wechsel zerstören die Pferde das Gras nicht vollständig, und jeder Teil der Weide kann sich erholen. Sicheres Weiden braucht auch die passende Ausstattung. Ständiger Zugang zu sauberem Wasser, schattige Plätze oder ein Unterstand als Schutz vor Sonne und Insekten sowie ein solider Zaun sind die Grundlage.
Zugang zur Weide bedeutet nicht, dass keine Ergänzung nötig ist. Frisches Gras liefert zwar viele Nährstoffe, deckt den Bedarf an Spurenelementen wie Selen, Kupfer oder Zink aber nicht sicher vollständig. Mängel können Hautprobleme, eine schwächere Abwehr und geringere Leistungsfähigkeit nach sich ziehen. Deshalb lohnt es sich, die Ration von Weidepferden mit Mineral- und Vitaminmischungen zu ergänzen, am besten mit Spurenelementen in organischer Form (Chelaten), die besser aufgenommen werden.
Der Weidegang bringt Pferden viel. Er wirkt entspannend, unterstützt eine gesunde Verdauung, sorgt für freie, nicht erzwungene Bewegung und lässt Pferde ihre sozialen Bedürfnisse ausleben. Mit einem Wort: Die Weide ist ein großer Schatz, aber nur, wenn wir sie mit Bedacht nutzen. Pferde allmählich ans Gras zu gewöhnen, den Bewuchs zu kontrollieren, die Ration anzupassen und die richtigen Bedingungen zu schaffen, macht sie zu einer sicheren Ergänzung der Fütterung deines Pferdes. 🌱