Was all diese Rassen verbindet, ist sicher die Neigung zum Übergewicht, weil sie das Futter hervorragend verwerten. Wegen ihrer Veranlagung zu bestimmten Erkrankungen haben Pferde dieser Rassen auch einen erhöhten Bedarf an Mineralstoffen und Vitaminen. Mängel können zu Hautproblemen wie Mauke und Räude führen oder sie verstärken, das hormonelle Gleichgewicht stören oder die Anfälligkeit für Infektionen erhöhen. Spurenelemente wie Zink, Kupfer, Selen und Mangan spielen eine wichtige Rolle, um das Risiko dieser Erkrankungen zu senken. Entscheidet man sich für eine zusätzliche Ergänzung, sollte man Spurenelemente in organischer Form wählen, also Chelate. Sie werden besser aufgenommen als anorganische Spurenelemente.
Besonders hoch effizient ist der Stoffwechsel der Robustrassen: Ponys, Koniks, Huzulen, Haflinger und Fjordpferde. Das sind Tiere, die sich über Jahrhunderte an raue Umweltbedingungen angepasst haben. Dadurch haben sie die Fähigkeit entwickelt, karges, aber rohfaserreiches Futter zu verwerten, deshalb deckt oft schon das Raufutter allein ihren Bedarf, also Heu und Gras. Entscheidet man sich für Kraftfutter, sollte man eines mit niedrigem Stärke- und Zuckergehalt wählen, weil Robustrassen sehr anfällig für Stoffwechselerkrankungen (EMS, Insulinresistenz) und Übergewicht sind. Auch Gras kann viel Zucker enthalten, besonders nach Frost, deshalb sollte man die richtigen Uhrzeiten für den Weidegang wählen. Außerdem begünstigt der Körperbau dieser Pferde (kompakter Körper, kurze Beine und kurzer Hals, üppige Mähne und Schweif, dichtes Fell) das Halten von Energie und Wärme, weshalb sie sich schwer abnehmen lassen. Zur Vorbeugung von Übergewicht lohnt es sich, Heu in einem Netz mit kleinen Maschen zu füttern, um die Aufnahme zu verlangsamen. Vor dem Füttern kann man es wässern, weil das den Fruktangehalt senkt. Der Zugang zum Heu darf auf keinen Fall abgeschnitten werden, denn dann frisst das Pferd auf Vorrat und das Gewichtsproblem wird größer. Damit sich Pferde auf dem Paddock nicht nur mit Heu beschäftigen, kann man Äste auslegen, an denen sie sehr gern knabbern.
Und was ist mit Friesen und Tinkern? Wie bei den Robustrassen sieht man sehr selten magere Tiere. Bei der Futterwahl sollten wir auch auf den Zuckergehalt achten, denn ein Überschuss kann zu Hautallergien führen. Dasselbe gilt für zu viel Eiweiß, was sich als Schuppen zeigen kann. Deshalb lohnt ein Blick auf die Heuzusammensetzung: ein hoher Anteil an Leguminosen erhöht das Risiko einer Eiweißüberversorgung. Interessanterweise bleicht bei manchen Friesen das Fell aus, was an einem Kupfermangel oder einem Eisenüberschuss liegen kann. Da Friesen und Tinker für ihre üppige Mähne und ihren Behang bekannt sind, sind Leinöl und Leinsamen eine ausgezeichnete Ergänzung ihrer Ration. Sie liefern die nötigen Omega-3-Fettsäuren und pflegen Haut und Fell. Zur Vorbeugung von Mauke lohnt es sich auch, an Kräuter zu denken, die die Abwehr unterstützen, etwa Brennnessel oder Purpur-Sonnenhut.
Wie man sieht, brauchen Pferde besonderer Rassen keine komplizierte Fütterung. Die Grundlage ist eine rohfaserreiche, stärkearme Ration auf Heubasis, die den erhöhten Bedarf an Mineralstoffen und Vitaminen berücksichtigt. Einfachheit in der Fütterung dieser Pferde ist der Schlüssel, um sie gesund und in guter Kondition zu halten.