Ein hohes Alter muss keine Spezialfütterung bedeuten. Ältere Pferde bei guter Gesundheit und guter Körperkondition brauchen keine Änderung der Ration. Anders ist es, wenn ein Pferd unerwartet abmagert und Muskulatur verliert. Dann sollte die Ursache durch Blut- und Kotuntersuchung geklärt werden. Ich lade euch ein, den Beitrag auf unserem Blog mit dem Titel „Blutuntersuchungen – welche, wann und wer sollte sie interpretieren?“ zu lesen (👉link). Es kann sich herausstellen, dass dein Pferd an etwas erkrankt ist oder eine Entwurmung braucht. Wenn du außerdem beobachtet hast, dass es beim Fressen Heubällchen ausspuckt und Kraftfutter verstreut, lohnt sich auch ein Blick auf die Zähne. Nicht nur der Gewichtsverlust ist ein Grund zur Sorge. Probleme beim Fellwechsel können zum Beispiel auf das Cushing-Syndrom (PPID) hinweisen und brüchige Hufe auf Vitamin- oder Mineralstoffmängel.
Der Futterplan sollte nicht nur den Gesundheitszustand des Pferdes berücksichtigen, sondern auch seine Aktivität. Mit dem Alter und weniger körperlicher Arbeit sinkt der Energiebedarf, besonders an schnell verfügbarer Energie, deshalb sollte der Stärke- und Zuckergehalt in der Ration des älteren Pferdes reduziert werden. Beim Kraftfutter lohnt sich ein getreidefreies Produkt, reich an Rohfaser und hochwertigem Eiweiß, mit Leinöl. Sehr wichtig ist, dass ein älteres Pferd möglichst ständig Zugang zu weichem Heu mit wenig Stängeln hat. Wenn das Tier es schlecht aufnehmen kann oder das Heu von schlechter Qualität ist, eignen sich Graspellets, melassefreie Zuckerrübenschnitzel und Mash sehr gut. Eine solche zusätzliche, leicht verdauliche Mahlzeit hilft, Gewichtsverlust vorzubeugen, und durch die Brei-Form nach dem Anrühren kommen sogar Pferde mit ernsten Zahnproblemen damit zurecht.
Wie man sieht, besteht die Ration des Pferdeseniors vor allem aus pflanzlicher Rohfaser, die von Bakterien im Darm abgebaut wird. Um ihre Verdauung zu verbessern, lohnt sich die Gabe von Futterhefe, die als Probiotikum wirkt und die passende Darmflora erhält. Dadurch steigt die Verwertung des Futters, und wie wir schon wissen, läuft der Stoffwechsel älterer Pferde langsamer, sodass sie das Futter schlechter nutzen. Eine weitere wertvolle Ergänzung ist Leinsamen, der den Verdauungstrakt umhüllt und reich an Omega-3-Fettsäuren mit entzündungshemmenden Eigenschaften ist. Die gesundheitlichen Probleme von Pferden im hohen Alter beschränken sich nicht auf den Verdauungstrakt. Viele dieser Pferde haben Schmerzen an Knochen und Gelenken, deshalb sind Ergänzungen für den Bewegungsapparat (MSM, Glucosamin, Kollagen) durchaus sinnvoll. Sehr wichtig für Gesundheit und Vitalität ist Vitamin C, das ältere Pferde schwerer selbst bilden können. Am besten wählt man eine natürliche, gut verfügbare Form, also Hagebutte, Schwarze Johannisbeere oder Aronia. Sinnvoll ist auch die Ergänzung von Zink und Selen.
Zusammengefasst ist die Betreuung eines älteren Pferdes ein ganzes Bündel von Maßnahmen. Sie betrifft oft mehrere Systeme: Verdauung, Bewegung und in manchen Fällen auch die Atmung. Alterungsprozesse und die damit verbundenen gesundheitlichen Probleme sind unvermeidlich, aber mit der passenden Ration lassen sich ihre Folgen mindern und der bestmögliche Ruhestand für das Pferd gestalten <3