Um sicher zu sein, dass unser Einhorn gesund ist und einfach hohe Ansprüche an sein Futter stellt, müssen alle möglichen gesundheitlichen Probleme ausgeschlossen werden. Der erste Verdacht bei vermindertem Appetit ist oft Schmerz in der Bauchhöhle durch Erkrankungen des Verdauungsapparats wie Koliken oder Magengeschwüre. Der Schmerz kann auch von orthopädischen Problemen kommen, zum Beispiel von einem Abszess in der Huflederhaut. Zu den möglichen Ursachen für eine geringere Futteraufnahme gehören außerdem Zahnprobleme und Verletzungen in der Maulhöhle, die das Kauen erschweren oder das Fressen sogar unmöglich machen. Besonders achten sollten wir dabei auf junge Pferde im Zahnwechsel und auf ältere Pferde. Weitere Gründe für verminderten Appetit können Fieber durch eine Infektion, Stress und sogar eine Depression sein, die, denken wir daran, auch bei Pferden vorkommt.
Wenn wir gesundheitliche Probleme bereits ausgeschlossen haben, können wir uns auf den Geschmack des Pferdes konzentrieren. Es ist lange bekannt, dass Pferde Süßes mögen, deshalb lohnt sich beim Futterkauf ein Blick auf die enthaltenen Komponenten. Besonders süß schmeckt Melasse, und schon eine kleine Menge verbessert die Schmackhaftigkeit des Futters, doch sie ist eine reiche Quelle einfacher Zucker, die für den Pferdeorganismus ungesund sind. Ich lade euch ein, den Beitrag mit dem Titel „Melasse – schwarzes Gold für Pferde?“ zu lesen, in dem wir das Thema näher beleuchten (👉 link). Sicherer ist es, auf Komponenten mit natürlichen Zuckern zu setzen, etwa Obst (Äpfel, Bananen) und Gemüse (Karotten, Rote Bete, Petersilie), die im Futter in getrockneter Form vorkommen. Eine weitere erwünschte Komponente im Futter für einen „mäkeligen Fresser“ ist Obsttrester, der bei der Saftherstellung anfällt. In den Futtermitteln von Grassland verwenden wir Apfel-, Aronia- und sogar Johannisbeertrester, den Pferde lieben. Den Appetit regt außerdem der aromatische Duft von Kräutern an. Es lohnt sich, zuerst das Angebot einer Kräuterbar zu nutzen, um die Kräuter kennenzulernen, die euer Pferd mag. Eine weitere schmackhafte Zutat sind Getreide, die man aber maßvoll füttern sollte, um Erkrankungen des Verdauungsapparats vorzubeugen. Erwähnenswert sind auch Pflanzenöle, die die Schmackhaftigkeit des Futters unterstützen und die Verdaulichkeit der Mahlzeiten erhöhen.
Und was mögen Pferde nicht? Nach unseren Beobachtungen fressen sie Reiskleie oft nicht auf, wenn davon zu viel in einer einzigen Mahlzeit steckt. Da diese Komponente viele Vorteile für die Gesundheit des Pferdes bringt, lohnt es sich, die Tagesmenge Reiskleie gleichmäßig auf alle Mahlzeiten zu verteilen, sogar in den Mash. Außerdem mögen sie, genau wie Menschen, wenig schmackhafte Ergänzungsfuttermittel und Medikamente nicht besonders. Eine sehr gute Lösung ist, sie im Mash einzuschmuggeln! To ein schnell und einfach zuzubereitendes Produkt, das nach dem Aufgießen eine schmackhafte zusätzliche Mahlzeit für Pferde ergibt, die ungern fressen. Es regt den Appetit an und lässt sich leicht kauen, und seine Konsistenz lässt sich an die Vorlieben des Pferdes anpassen. Diese Methode eignet sich auch für die Gabe von Elektrolyten, die unsere Pferde oft nur ungern aufnehmen. Oder seid ihr schon einem Pferd begegnet, das ein bestimmtes Futter lange gern gefressen hat und dem es irgendwann nicht mehr schmeckte? Euer Pferd könnte einen Mangel an einem der Nährstoffe gehabt haben, und als es diesen mit dem Futter gedeckt hatte, wollte es davon nichts mehr fressen. Gut möglich, dass es so handelte, um das Gleichgewicht seines Körpers zu schützen und diesmal einen Überschuss dieses Nährstoffs zu vermeiden.
Denkt daran, dass Pferde sehr empfindlich auf die Frische des vorgelegten Futters reagieren. Schimmel oder Fäulnis können sich nicht nur sehr negativ auf die Gesundheit eures Pferdes auswirken, sondern es zusätzlich vom Fressen abhalten, was natürlich verständlich ist. Achtet beim Kauf fertiger Mischfutter also auf die Qualität des Produkts, lagert es nach den Angaben des Herstellers und prüft, ob auf der Verpackung eine Veterinärnummer steht, die ihr zusätzlich im Register der Futtermittelunternehmer überprüfen könnt. Zum Schluss bleibt mir nur, euch viel Erfolg beim Füttern eurer wählerischen Einhörner und mäkeligen Pferde zu wünschen!