Die beliebtesten Getreide in der Pferdefütterung sind Hafer sowie Gerste und Mais, die oft in Fertigfutter stecken. Wie schon erwähnt, ist das Hauptziel der Getreidefütterung die Energieversorgung. Sie stammt vor allem aus der Stärke im Inneren des Korns, bei manchen Getreiden ist sie jedoch so „verpackt“, dass der Zugang sehr schwer ist. Deshalb müssen ausgewählte Getreidearten vor dem Füttern hydrothermisch behandelt werden. Das verändert die Struktur der Futterteilchen, verbessert den Zugang der Enzyme und erhöht dadurch die Verdaulichkeit von Nährstoffen wie Stärke.
Das einzige Getreide, das vor dem Füttern an Pferde keine hydrothermische Behandlung braucht, ist Hafer. Die darin enthaltene Stärke ist locker gepackt, sodass die Verdauungsenzyme im Dünndarm viel leichter herankommen und die Energie dem Pferd schneller zur Verfügung steht. Das bedeutet, dass Hafer reich an leicht verdaulicher Stärke ist und Überdrehtheit verursachen kann. Der Eiweißgehalt dieses Getreides liegt im Schnitt bei 12 % und ist nicht viel höher als bei Gerste oder Mais. Einer der größten Vorteile von Hafer ist der hohe Rohfasergehalt (11–30 %), der einem Aufquellen im Magen entgegenwirkt. Gesunde ausgewachsene Pferde füttert man am besten mit dem ganzen Korn. Bei Pferden mit schwächerem Gebiss oder älteren Pferden sollte gequetschter oder geschroteter Hafer, wenn man sich dafür entscheidet, innerhalb von 2–3 Tagen verfüttert werden, damit er nicht an Nährwert verliert.
Gerste und Mais sind Getreide, deren Energie für den Pferdeorganismus schwer verfügbar ist, deshalb lohnt es sich, sie mikronisiert zu wählen. Die Mikronisierung erhöht nicht nur die Verdaulichkeit und die Verfügbarkeit der Nährstoffe, sie beugt auch der Entwicklung von Pilzen und Schimmel vor, zerstört vorhandene Bakterien, Viren und Hefen und wirkt sich positiv auf die Schmackhaftigkeit aus. Reicht Quetschen oder Schroten nicht? Leider nein. Untersuchungen zur Verdaulichkeit beim Pferd zeigen, dass das Quetschen der Körner die Stärkeverdaulichkeit nur um 1 % erhöht. Auch wenn diese Getreide eine Behandlung brauchen, sind sie ein sehr wertvolles Futter. Gerste hat einen höheren Nährwert als Hafer. Sie ist energiereicher und macht das Pferd dabei nicht überdreht. Wegen des geringeren Rohfasergehalts muss sie jedoch vorsichtiger dosiert werden, um gesundheitliche Probleme zu vermeiden. Maiskorn dagegen wird wegen seines besonders hohen Energiewerts geschätzt und eignet sich sehr gut in der Ration von Pferden unter starker Belastung, die viel Energie brauchen. Sein Nachteil ist der sehr niedrige Gehalt an Eiweiß und Rohfaser.
Und was ist mit Weizen? Wegen des hohen Glutengehalts droht ein Verkleben des Futterbreis, deshalb sollte sein Anteil in der Ration gering sein. Wie Gerste und Mais muss er vorher behandelt werden, bei ihm verwendet man jedoch die Extrusion, die ihn auch weniger klebrig macht. Zum Schluss ist Roggen erwähnenswert: Sein Einsatz ist wegen des hohen Kolikrisikos nicht zu empfehlen. Außerdem schmeckt er bitter, und Pferde fressen ihn nicht besonders gern.
Gut zu wissen… Alle Getreidearten haben ein überhöhtes Verhältnis von Phosphor zu Kalzium und sind arm an Vitaminen und Mineralstoffen, deshalb sollte eine Ration aus Heu und Getreide um die nötigen Ergänzungen vervollständigt werden. Dasselbe gilt für die Kombination fertiger Futtermittel mit Hafer!