Rohfaser gehört unverzichtbar zur Ration jedes Pferdes und sollte mindestens 50 % der täglichen Ration ausmachen. Sie sorgt für einen gesunden Verdauungstrakt: Sie verbessert die Peristaltik, hält die Darmflora auf dem richtigen Niveau, senkt das Kolikrisiko und beugt Geschwüren vor. Futtermittel mit viel Rohfaser geben Pferden ein Sättigungsgefühl und wirken sich damit positiv auf ihr Wohlbefinden aus. Sie helfen außerdem, die Zähne richtig abzureiben, und ihre Verdauung ist eine Möglichkeit, wie Pferde Wärme erzeugen, woran man besonders im Winter denken sollte. Die wichtigste Rohfaserquelle in der Pferderation ist Heu.
Die Grundsätze der Pferdefütterung empfehlen, dass die tägliche Heumenge mindestens 1–2 kg je 100 kg Körpergewicht beträgt, deshalb lohnt sich ein genauer Blick auf dieses Futter. Am sichersten wäre es, Proben zu nehmen und im Labor analysieren zu lassen, das ist jedoch teuer. Zum Glück können wir die Heuqualität selbst mit den Sinnen beurteilen. Was zeichnet gutes Heu aus? Vor allem ein angenehmer, leicht süßlicher Geruch, eine grüne oder grüngelbe Farbe, es sollte sich trocken anfühlen und frei von Sand und Staub sein. Heu wird gelb, wenn es zu lange auf dem Feld liegt; dunkle Farbe zusammen mit hoher Feuchte und unangenehmem Geruch kann auf Fäulnis hinweisen. Einer der besten Hinweise auf den Wert des Raufutters ist der Schnitttermin. Mit zunehmender Reife steigt der Rohfasergehalt und die Verdaulichkeit sinkt, gleichzeitig nehmen Eiweiß und Phosphor ab. Das beste Heu für Pferde stammt vom ersten Schnitt zu Beginn der Gräserblüte, weil es am reichsten an Nährstoffen ist. Es sollte jedoch mindestens 20 % Rohfaser enthalten. Ähren deuten meist auf einen späten Erntezeitpunkt hin. Außerdem sollte Heu aus mehreren Grasarten bestehen (Lieschgras, Trespe), mit Kräutern und einem geringeren Anteil an Leguminosen wie Luzerne oder Klee, die viel Eiweiß enthalten. Heu mit höherem Leguminosenanteil eignet sich eher für laktierende Stuten, Fohlen und Sportpferde. Interessanterweise eignet sich solches Futter wegen des hohen Kalziumgehalts für Pferde mit Magengeschwüren, weil es die Säure mindert.
Die Lagerung von Heu ist genauso wichtig wie seine Qualität. Es sollte in einem trockenen Raum liegen, ohne direkte Sonneneinstrahlung, die den Karotingehalt senkt. Auch Schimmelbildung mindert die Heuqualität, deshalb sollte die Feuchte dieses Futters 20 % nicht überschreiten. Egal wie Heu gelagert wird: Nährwert und Schmackhaftigkeit sinken, und Staub, Milben und Pilze, die sich darin ansammeln, erhöhen das Allergierisiko. Deshalb verwendet man besser kein Heu, das älter als ein Jahr ist.
Zum Schluss eine sehr wichtige Information. Frisches Heu darf Pferden auf keinen Fall gefüttert werden! Die Fermentationsphase, auch „Schwitzen“ genannt, dauert bis zu 8 Wochen. Heu, das noch nicht ausgeschwitzt ist, kann Blähungen, Kolik und sogar Hufrehe auslösen.