Die wichtigste Regel ist die Energiemenge in der Ration und ihre Quelle. Wenn ein Pferd nicht im Verhältnis zu seiner Fütterung arbeitet, „quillt“ die überschüssige Energie in Form von Nervosität und Ungehorsam „aus den Ohren“. Das gilt besonders für schnell verfügbare Energie aus stärkereichem, zuckerhaltigem Getreide. Hafer, Gerste und Mais liefern große Mengen leicht verfügbarer Energie, was sich oft als Überdrehtheit zeigt. Deshalb lohnt ein Blick auf den Stärkegehalt der Ration. Arbeitet das Pferd leicht oder mäßig und bekommt trotzdem viel Getreidekraftfutter, erwäge, es teilweise oder ganz wegzulassen und durch ein Futter mit wenig Stärke und viel Rohfaser und Fett zu ersetzen. Ideal eignen sich:
✅ Getreidefreie Futtermittel – sie liefern langsam verfügbare Energie, ohne das Risiko der Überdrehtheit.
✅ Pflanzenöle (Leinöl, Maisöl) – Fettquellen, die die Kalorienmenge der Mahlzeit erhöhen und gleichzeitig entzündungshemmend und beruhigend wirken.
✅ Melassefreie Zuckerrübenschnitzel – sie liefern gut fermentierbare Rohfaser und werden gern gefressen.
✅ Graspellets und Luzerne – reich an Rohfaser und Eiweiß guter Qualität, sie können einen Teil des Kraftfutters ersetzen.
✅ Futterhefe – sie stabilisiert die Darmflora, was sich positiv auf das Wohlbefinden des Verdauungstrakts und damit auf das Verhalten des Pferdes auswirkt.
Vergessen wir nicht, dass Erregung die Folge von Verdauungsbeschwerden oder Schmerz sein kann. Nervöse Pferde reagieren oft auch empfindlicher auf Pausen beim Raufutter, deshalb ist ständiger Zugang zu Heu guter Qualität die Grundlage. Steht das Pferd den größten Teil des Tages in der Box, gib ihm ein Netz mit feinen Maschen, das die Fresszeit verlängert und sein natürliches Kaubedürfnis stillt.
Eine Ration, die das Pferd zur Ruhe bringt, sollte auch genug Magnesium enthalten, das die nervale Steuerung der Muskeln und die Arbeit des Nervensystems beeinflusst. Magnesiummangel zeigt sich oft als Reizbarkeit, Muskelspannung und Berührungsempfindlichkeit. Eine gute Möglichkeit ist die Ergänzung mit Magnesiumoxid oder Magnesiumcitrat in einer Menge, die zu Körpergewicht und Ration passt. Manche Pferde reagieren auch sehr gut auf Kräuter mit beruhigender, dämpfender Wirkung wie Melisse, Kamille oder Baldrian. Dabei ist Baldrian eine Dopingsubstanz, und die Gabe sollte mindestens 48 Stunden vor dem Turnier ausgesetzt werden.
Zusammengefasst… Überdrehtheit ist nicht nur eine Frage des Charakters oder einer schlechten Erziehung. Sehr oft ist eine unpassende Ration schuld: zu viel schnell verfügbare Energie sowie ein Mangel an Magnesium und Rohfaser in der täglichen Fütterung. Wenn dein Pferd bei der Arbeit nervös oder „schwierig“ ist, sieh dir seine Fütterung an und überlege, ob du ihm zu viel „Raketentreibstoff“ in Form von Stärke und Zucker gibst. Die passende Ration ist der Schlüssel zu einem ruhigeren, aufmerksameren Pferd und zu mehr Sicherheit und Freude an der gemeinsamen Arbeit <3